Revision von künstlichen Hüftgelenken

Interview mit Prof. Dr. med. Marius Keel

Revisionsoperationen bei Hüftprothesen können aus verschiedenen Gründen notwendig werden? Zu den komplexen Fällen gehört die Beckendiskontinuität. Was ist darunter zu verstehen?

Als Beckendiskontinuität bezeichnet man eine Trennung des Beckens im Bereich der Hüftpfanne. Diese hat die Form eines umgekehrten Y mit einem vorderen und einem hinteren pfeiler. Eine Beckendiskontinuität liegt dann vor, wenn beide pfeiler gebrochen sind und der untere Anteil der Hüftpfanne komplett vom oberen getrennt ist

Welche Ursachen führen dazu?

Wir unterscheiden akute und chronische Beckendiskontinuitäten. Von einer akuten Beckendiskontinuität spricht man, wenn der Knochenbruch inner- halb der letzten drei Monate entstanden ist. Als Ursache im Vordergrund steht der seitliche Sturz. Mitunter treten die Brüche aber auch schon während der Erstimplantation einer Hüftprothese auf. Chronische Beckendiskontinuitäten bilden sich konti- nuierlich über mehrere Wochen aus (>3 Monate). Zu den Risikofaktoren zählt neben der Osteoporose ein Knochenverlust um die prothesen- pfanne, der beispielsweise durch Abriebpartikel hervorgerufen wird.

Wie werden Beckendiskontinuitäten bei Hüftprothesen operativ versorgt?

Die Rekonstruktion erfolgt stufenweise: Wenn die prothesenpfanne noch an einem der Pfeiler hält, reicht eine Osteosynthese aus, d.h. eine Verbindung der Knochen mit Schrauben und platten, damit sie wieder zusammenwachsen. Bei einer kompletten lockerung der prothesenpfanne ist der Knochendefekt aufzufüllen und ein Pfannenwechsel vorzunehmen. Je nach Fall bedarf es zudem ebenfalls einer Osteosynthese (vgl. Abb. 1).

Abb. 1: Akute Beckendiskontinuität

a) Hüftprothese bei einem 73-jährigen Mann vor dem Sturz
b) Akute Beckendiskontinuität mit instabiler Prothesenpfanne nach dem Sturz
c) Nach der Operation: Rekonstruktion des vorderen Pfeilers über den Pararectus-Zugang (am äusseren Rand des geraden Bauchmuskels direkt über dem Dach des Hüftgelenks); Rekonstruktion des hinteren Pfeilers sowie Pfannenwechsel mit Implantation einer Tantalpfanne (Trabecular Metal) über einen seitlichen Zugang

Beim pfannenwechsel kommt entweder eine Rekonstruktionspfanne zum Einsatz oder eine Trabecular-Metalpfanne. Diese besteht aus dem Metall Tantal, das sehr gut in das Knochengewebe einwächst. Bei schwerer Instabilität wird die Cup-Cage-Technik angewendet. Dabei wird die Pfanne zusätzlich mit einem Rekonstruktionsring abgestützt. Auch hier kann gleichzeitig eine Osteosynthese notwendig sein. Kommt zu einer schweren Instabilität ein grosser Knochendefekt hinzu, besteht schliesslich die Möglichkeit, ein massgeschneidertes Implantat aus dem 3D-Drucker einzusetzen (vgl. Abb. 2).

Abb. 2: Chronische Beckendiskontinuität

a) präoperative Planung anhand 3D-Computertomographie: Knochendefekt und lockere Sockelpfanne bei einer 67-jährigen Frau
b) präoperative 3D-Planung: massgeschneiderte Pfanne aus dem 3D-Drucker (rot/blau)
c) postoperatives Röntgenbild nach Implantation der 3D-Prothese sowie Schaftwechsel und Rekonstruktion des Oberschenkelknochens (Femur)

Welche Komplikationen können auftreten?


Zu den Komplikationen, die nach einem Prothesenwechsel auftreten können, gehört neben der Infektion die luxation (Ausrenkung) der Hüftprothese. Reduzieren lässt sich das Risiko mit einer Double-Mobility-pfanne.

Welches sind die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Revisionsoperation bei einer Beckendiskontinuität?


Komplexe Revisionsoperationen sind technisch anspruchsvoller und risikoreicher als Erstimplantationen, etwa aufgrund des grösseren Blutverlusts. Deshalb ist es unerlässlich, dass eine Intensivstation vorhanden ist. Der Ptientensicherheit zuträglich ist es aus- serdem, wenn der Operateur nicht nur etwas von prothetik versteht, sondern auch die Versorgung komplexer Knochenbrüche beherrscht.

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Kontakt und Termine

Prof. Dr. med.

Marius J.B. Keel

Facharzt FMH Chirurgie, spez. Unfallchirurgie, EBSQ Traumatology, Facharzt FMH Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapprates, spez. Spinale Chirurgie, Spezialist Becken-, Hüft-, Wirbelsäulen- und Unfallchirurgie

Sekretariat, medizinische Praxisassistentin

Frau Andrea Thoma